Zwei Projekte stehen im Mittelpunkt des neuen Programms der Umweltstation. Dabei werden unter anderem Lebensräume in der Stadt erforscht.

(Von Christian Schilling)

Wunsiedel – „Umwelt erleben, verstehen, bewahren“ hat sich der Lernort Natur-Kultur Fichtelgebirge auf die Fahne geschrieben. Auch in diesem Jahr bleibt die Umweltstation ihrem Motto treu und bietet ein interessantes Programm, das Agrarbiologe Andreas Schmiedinger und Umwelt-Koordinator Markus Gläßel nun vorgestellt haben. Im Mittelpunkt steht die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), bei der ökonomische,soziale und ökologische Aspekte berücksichtigt werden. Zwei Angebote, die vom Umweltministerium gefördert werden, stechen dabei besonders heraus. Das Basisprojekt „Ökosystemleistungen von Wald, Wiese und Wasser“ sowie das Modellprojekt „Stadtgrün erhalten – Lebensqualität sichern“. Städte mit ihren biotischen und abiotischen Faktoren, ihren Lebewesen – Menschen, Tieren, Pflanzen – und ihren baulichen Strukturen bilden ein Ökosystem, erklärt Schmiedinger das Modellprojekt. „Ziel unseres Projektes ist es, den hohen Stellenwert urbaner Habitate für die Artenvielfalt sowie die menschliche Lebensqualität zu veranschaulichen und verträgliche Erhaltungs- und  pflegemethoden aufzuzeigen.“ Dabei wolle man  verdeutlichen, dass ohne „Dienstleistungen des Ökosystems“ ein Leben in der Stadt nicht lebenswert wäre. Die Zielgruppe sind die Einwohner im Alter zwischen sechs und 99, so neben Schulklassen auch Hausbesitzer, Obst- und Gartenbau- sowie Siedlervereine. „Wir wollen alle integrieren“, sagt Schmiedinger. Dazu würden noch Schulklassen gesucht, die sich für die Erhebungsaktionen melden, die ab April in der Stadt beginnen.

Bei zwei Einführungsveranstaltungen wird das Projekt genauer vorgestellt. Dabei wird auch der Fotowettbewerb „Stadtgrün“ ausgelobt. Fotos müssen bis zum 15. Juli eingereicht werden. Die  Schülergruppen erarbeiten die ökologische Wertigkeit von wichtigen Ersatzlebensräumen. Dabei untersuchen sie Steinmauern sowie Bäume und Gärten in der Stadt, die ein ausgleichendes Mikroklima erzeugen. „Innerhalb des Ökosystems Stadt finden sich viele verschiedene Lebensräume“, erklärt Schmiedinger. Das System stelle ein Modell für die Wechselwirkungen zwischen Mensch, Tier, Pflanzen und deren unbelebter Umwelt dar. „Ohne Grün ist eine Stadt nicht lebenswert“, sagt der Agrarbiologe. Im Herbst werden die Ergebnisse schließlich in einer Ausstellung vorgestellt. „Wir wollen aufzeigen, dass Leben ohne die Ökosystemdienstleistungen der Lebensräume Wald, Wiese und Wasser nicht möglich wäre“, fasst Markus Gläßel das Basisprojekt zusammen. Um ein nachhaltiges Handeln der Teilnehmer zu erreichen, müssten diese darüber aufgeklärt werden, was die verschiedenen Ökosysteme zu liefern vermögen, und dass der Mensch von intakten Ökosystemen abhängig ist. Nur durch nachhaltiges Handeln könnten die verschiedenen Ökosysteme  im Lot gehalten werden. Anhand von Wald, Wiese und Wasser werde deren Vernetzung untereinander sowie deren Nutzen für die Menschen dargestellt, erklärt Gläßel. Das Projekt beinhaltet unter anderem ein Baumquiz und das Leben im Wald- und Wiesenboden. Bei verschiedenen Exkursionen werden diese Lebensräume erkundet und Kräuter, Gräser, Moose und Tiere bestimmt. „Neu dabei ist das Thema Wasser“, sagt Gläßel. Dazu gehen die Gruppen an die verschiedenen Vegetationszonen der Röslau-Aue unterhalb des Katharinenbergs, um dort unter anderem auch die Güte des Wassers zu ermitteln. Dabei sei schon der Blick durchs Mikroskop für viele Kinder spannend. „Bäche verbinden Biotope und sind gleichermaßen wichtig für alle Lebewesen einschließlich des Menschen“, sagt der Umwelt-Koordinator. Auch hier sollen alle Altersgruppen angesprochen werden. Besonders interessant für Erwachsene: die Bestimmung von Heuschrecken auf den Wiesen rund um den Wunsiedler Hausberg mit einem heimischen Experten. Von der Europäischen Union wird heuer ein weiteres Projekt gefördert. Dabei handelt es sich um den Austausch verschiedener Umweltstationen in Bayern und Tschechien. Auf bayerischer Seite ist neben dem Lernort in Wunsiedel auch die Ökologische Bildungsstätte Burg Hohenberg (ÖBI) beteiligt. Auf tschechischer Seite Umweltstationen in Sokolov und Marienbad. Hier sind in den nächsten drei Jahren gemeinsame Aktionen und der Erfahrungsaustausch geplant.

„Untätig sind wir nie“, sagen Gläßel und Schmiedinger trotz des derzeitigen Schmuddelwetters unisono. Derzeit arbeite die  Umweltstation eng mit der Jugendherberge zusammen, in der immer wieder Schülergruppen Interesse an den Aktionen des Lernorts anmelden. Der Pavillon und seine Umgebung bieten aber auch eine spannende Abwechslung für Kindergeburtstage, die immer wieder angemeldet werden. Bereits jetzt sollten sich interessierte Kinder und Jugendliche ab acht Jahren für einen Fotokurs mit dem Thema „Naturfotografie“ in den Osterferien vormerken lassen.  Für  den Kurs am 4. April sind nur noch wenige Plätze frei. Auch der Termin für den Sensenmähkurs steht schon fest. Der findet am 13. Juni in Kooperation mit dem Gerätemuseum in  Bergnersreuth statt. Bei Interesse besteht aber auch die Möglichkeit, einen Zusatzkurs auf dem Katharinenberg anzubieten. Für Naturerlebnisaktionen steht eine Hütte am Burgstein zur Verfügung, erklären die beiden Leiter der Umweltstation. Näheres dazu und zu allen Projekten wird demnächst in einem Flyer auf der Homepage vorgestellt.